Erst die Kampfansage – dann die Verhöhnung!

Erst die Kampfansage – dann die Verhöhnung!

MAHLE- SOLIDARITÄT Nr.10

Vor 3 Monaten hat die Geschäftsfüh­rung (GF) ihre Kampfansage an die Beschäftigten verkündet: 7600 Arbeitsplätze vernichten und tausende Kolleginnen und Kollegen mit ihren Familien in Arbeitslosigkeit und Not stürzen.

Dann haben sie den Klimatisierungsbereich von Keihin gekauft. Ein klares Signal an die Beleg-schaft in dem Sinne: „Wir haben genug Geld! Aber nicht für Euch! Nicht für die bestehenden Werke!“

Stratmann und Co verkünden auf Betriebsver-sammlungen, Intranet-Posts und in der neuen Mahle-Global:“Unsere Einspar-Programme laufen gut, aber wir müssen noch besser werden!“ Sie meinen: „Wir haben die Schrauben erfolgreich angezogen. Wir lassen euch in Kurzarbeit und Home-Office mehr arbeiten als vorher. Wir pres-sen mehr aus Euch raus!  Wir wollen noch besser werden beim Schraubenanziehen !“

Die Selbstverständlichkeit mit der ihnen die schon abgeschriebenen Kolleginnen und Kollegen kein Wort mehr wert sind, das scheinheilige Unschulds-Gehabe – das ist eine zusätzliche Verhöhnung!

Müssen wir uns das gefallen lassen?

Im September und Oktober gab es zu recht Proteste vor den Toren in Mühlacker, Feuerbach, Cannstatt, Gaildorf, Reichenbach und Freiberg.

Aber die Proteste wurde nicht weiter verfolgt und kein beständiger Widerstand aufgebaut. Es gab Online-Betriebsversammlungen zB in Feuerbach und Cannstatt. Fragen konnten nur vorher eingereicht werden. Der BR in Feuerbach bemühte sich dabei, zur GF auf Distanz zu gehen, in Cannstatt gab‘s eher ein Schulterschluss. In Lorch wurde die Betriebsversammlung abgesagt – das ganze Jahr fand nicht eine einzige statt!

Dann kam eine „Umfrage“ des Gesamt-Betriebsrates (GBR):

Alle Beschäftigten dürfen ankreuzen, ob sie die Forderungen nach

– verbesserter Alterteilzeit,

– bezahlte Qualifizierung,

– Arbeitszeitverkürzung für alle,

– Geld für Verbrennerwerke zur Umstellung auf neue Technologien,

– gleiche Ausbildungszahlen und Übernahmen

gut finden.

Also die Forderungen, die Betriebsräte seit fast zwei Jahren erheben – ohne Erfolg bisher.

Dazu die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung, die seit kurzem von der IG Metall kommt, aber in einer merkwürdigen Variante:

Die Arbeitszeit soll nur mit Teillohnausgleich verkürzt werden – wir sollen dafür die Tariferhöhung hergeben.

Zweitens soll sie auch nur betriebsbezogen erfolgen. Damit würde sie nur zur Personalabwicklung in Betrieben dienen, die abbauen und keine Arbeitsplätze in anderen Betrieben schaffen.

Warum diese Umfrage des GBR?

Nach dem erfolglosen Betteln der Betriebsräte schiebt man nun uns, die Belegschaft, als Bittsteller vor. Mit „gut finden“ Ankreuzen ist aber nichts erreicht.

Es ist klar, dass diese Forderungen ohne weiter-gehender Aktionen bei der GF auf taube Ohren stoßen werden. Das haben die immer neuen Abbaupläne und die Investition in Neuankäufe gezeigt.

Immerhin gab es schon Proteste vor den Werken. Aber Proteste haben nicht gereicht, die GF zu überzeugen. Also ist ein dauerhafter Widerstand nötig statt Wünsche oder gelegentlichen Unmut zu äußern. Gerade der GBR könnte und müsste diesen organisieren – alle Werke gemeinsam.

Ohne Ansage, wie diese Ziele erkämpft werden können, wird diese Umfrage genauso zum Flop , wie die „Online-Petitionen“ der IG Metall, an deren Wirkung kein Mensch glauben kann.

Ein Großauftrag – Rettung oder Aufschub?

Eine gute Gelegenheit wäre der überraschende Auftrag für Mühlacker gewesen. Dort sollen weit mehr VW-Kühler als geplant produziert werden. Der BR dort heftet dies an seine Brust, aber im Grunde hat er alles unterschrieben, was die Werksleitung wollte: befristete Neueinstellungen, Überstunden bis Ende des Jahres aber KEINE Rücknahme der Abbaupläne!

Der BR hat also den unerwarteten Trumpf in seiner Hand nicht genutzt. Weder für eine Rücknahme der Abbaupläne noch eine Unterstützung für andere Kühlerwerke, zB Neustadt. Das wäre auch praktische Solidarität gewesen, die so oft gepredigt wird. Chance vergeigt, Angriff nur verschoben.

Was tun?

Kein Wunder, dass die GF weiter so unverschämt ist und uns verhöhnen kann.

Wir brauchen endlich andere Maßnahmen!

  • Widerstand statt Betteln! Unsere Forderungen an die GF bleiben fromme Wünsche, solange sie nicht mit Macht untermauert werden!
  • Geschlossenheit statt Ausspielen lassen! Kein Werk übernimmt Aufträge auf Kosten von anderen!
  • Solidarität ist keine milde Gabe, sondern gemeinsame Selbstverteidigung!

Am Beispiel der Aufträge für Mühlacker hätte das geheißen:

– Zustimmung zu mehr Schichten nur nach Rücknahme aller Abbau-Pläne – nicht nur in Mühlacker/Vaihingen, sondern in allen Kühlerwerken!

– Gegenvorschlag der Betriebsräte und Belegschaften, wie die Arbeit auf alle Werke verteilt werden kann!

– Dafür Offenlegung aller Pläne und Produktionszahlen gegenüber der gesamten Belegschaft!

– Keine Geheimverhandlungen der Betriebsräte

– Arbeitszeitverkürzung nicht durch Lohnverlust (Selbstbezahlte AZV oder Kurzarbeit), sondern Verteilung der Arbeit auf alle mit vollem Lohnausgleich!

Die ganze Branche ist betroffen:

Bei Daimler wurden erneut die Vereinbarungen durch die Konzernchefs gebrochen. Jetzt gab es regionale, ja bundesweite Aktionen. Da sind IG Metall und die Daimler-Betriebsräte auf dem richtigen Weg: Alle Kräfte bündeln! Genauso gab es gemeinsame Protestaktionen von Betrieben in Ludwigsburg.

Aber vereinzelte Aktionstage reichen nicht! Sie müssen Auftakt sein für gemeinsame Kämpfe bis hin zu Streik! In der Tarifrunde sind diese einfacher möglich, das muss vorbereitet und genutzt werden!

Das beste, was wir als Mahle-Beschäftigte für uns tun können, ist gemeinsam mit den Daimler- und Bosch-Kolleginnen und Kollegen rausgehen und den Bossen unsere Macht zeigen!

Die IG Metall ist gefordert!

Bezirksleiter Roman Zitzelsberger warnt in einem Interview, dass in Ba-Wü einige kleine Detroits drohen, weil viele Betriebe in der Auto- und Zulieferindustrie sowie im auto-nahen Maschinenbau mit Schließung und Arbeitsplatzabbau drohen.

In anderen Regionen in Deutschland schlägt die Angriffswelle der Bosse genauso zu, auch wenn die Industrie schon früher platt gemacht worden ist.

Und sie schlägt auch im Ausland zu: Das Beispiel Mahle zeigt, dass zwar Arbeitsplätze ins Ausland verlegt werden, aber zwei Drittel der Arbeitsplätze, die Stratmann zerstören will, sind in ausländischen Werken. Die IG Metall muss ihre Stärke in Ba-Wü nutzen und die Initiative zu Widerstand ergreifen, um den Kahlschlag der Bosse zu verhindern. Das kann eine Bewegung in Gang setzen, die auch die Schwächeren mitzieht.

Wir schlagen vor:

Für eine regionale Konferenz von Vertrauensleuten aus allen Betrieben, die bedroht sind. Nicht um zu jammern, wie gemein die Chefs vorgehen, sondern um verbindliche Aktionen zu verabreden:

  • Rücknahme aller Abbau- oder Schließungspläne
  • Eine Perspektive für alle: Kampf um jeden Arbeitsplatz!
  • Streik! Besetzung von bedrohten Betrieben!
  • Keine Zustimmung zu Überstunden oder Sonderschichten, wo diese gefordert  werden
  • Enteignung von Betrieben, die von Schließung bedroht sind!

( Nach Satzung der IG Metall : Überführung von Schlüsselindustrien und anderen markt- und wirtschaftsbeherrschenden Unternehmungen in Gemeineigentum )

  • Kontrolle aller Unternehmensentscheidungen durch die Belegschaften, vor allem Investitionen, Entwicklung und Produktion! Das gilt erst recht für enteignete Betriebe!
  • 30-Stundenwoche für alle und überall bei vollem Entgelt- und Personalausgleich!
  • Vorbereitung eines Flächenstreiks in der Tarifrunde, falls Südwestmetall nicht nachgibt.

Kontakt:

mahle-soli@protonmail.com

Mahle Solidarität Nr. 10 als Datei:

https://www.vernetzung.org/wp-content/uploads/2021/01/Mahle-Soli-10.pdf

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