Kein Platz für Rechte bei Daimler Untertürkheim!

Kein Platz für Rechte bei Daimler Untertürkheim!

Aktions-Bericht zur Gerichtsverhandlung vor dem LAG Stuttgart

Seit den letzten Betriebsratswahlen 2018 versuchen Rechtsextremisten verstärkt, in Betrieben und Betriebsratsgremien Fuß zu fassen. Bei Daimler in Untertürkheim ist ist die rechte Scheingewerkschaft Zentrum Automobil bereits seit ca. 10 Jahren im Betrieb aktiv. Auf unserer Strategiekonferenz 2020 wollen wir diese langjährigen Erfahrungen mit rechtsextremen Kräften auswerten und Schlussfolgerungen ziehen, wie wir erfolgreich gegen die Verankerung von Rassisten und Faschisten in den Betrieben vorgehen können. Dazu organisieren wir die „AG 7: Umgang mit Rassisten und Faschisten im Betrieb.“ Die Anmeldung zur Konferenz ist hier möglich: https://www.vernetzung.org/ticketspreise/

Anbei ein Bericht von Christa Hourani über die prozess-begleitenden Aktionen vor dem Landesarbeitsgericht, das die Kündigung eines Arbeiters, der vom Zentrum Automobil unterstützt wird, für rechtmäßig bestätigt hat wegen rassistischer Beleidigung eines IGM-Vertrauensmannes.

Christa Hourani (ehemals Betriebsrätin und VK-Leiterin in der Daimler Zentrale, aktiv bei den Gewerkschaftslinken) gestaltet zusammen mit betrieblichen Akteuren von Daimler Untertürkheim und dem Buchautor Steve Hollasky die AG 7 auf der Strategiekonferenz.

Landesarbeitsgericht hält Kündigung wegen rassistischer Beleidigung für rechtmäßig

Im Juni 2018 sind 2 Arbeiter von Daimler Untertürkheim gekündigt worden, weil sie mehrere Monate einen IG Metall-Vertrauensmann mit türkischer Abstammung rassistisch beleidigt und gemobbt hatten. Nach einer Niederlage vor dem Arbeitsgericht Stuttgart wurde am Donnerstag, 5. Dezember vor dem Landesarbeitsgericht der Widerspruch von einem der Gekündigten verhandelt. Doch auch das Landesarbeitsgericht hielt die Kündigung für rechtmäßig und bezeichnete die Beleidigungen als menschenverachtend.

Was war vorgefallen? Über Monate wurde der türkische Arbeitskollege mit Whats-App-Meldungen und Videobotschaften mit rassistischen, menschenverachtenden, islamfeindlichen Inhalten und Nazisymbolen verächtlich gemacht, beleidigt und gemobbt. Unter den verschickten Nachrichten war zum Beispiel eine Bilderreihe zu „Wir bauen einen Muslim – Hirn raus, Scheisse rein, Verband drauf, Frei lassen.“ sowie Nazisymbole.Vom Rechtsanwalt des Klägers wurde dies total verharmlost und der Täter als Opfer inszeniert. Er bezeichnete diese Sprüche als Satire und geschmacklose Witze. Dies sei keine Straftat, sondern falle unter freie Meinungsäußerung.

Der Prozesstag wurde von antifaschistischen Gruppen zusammen mit Vertrauensleuten und Betriebsräten von Daimler gut vorbereitet. In 2 Veranstaltungen wurde im Vorfeld informiert und mobilisiert. Vor dem Landesarbeitsgericht versammelten sich bereits um 7 Uhr morgens in Eiseskälte AntifaschistInnen und gewerkschaftliche Aktive hauptsächlich von Daimler, um zu verhindern, dass Anhänger vom rechtsextremen Zentrum Automobil, das die Gekündigten unterstützt, in das Gerichtsgebäude gelangen. Gegen 10 Uhr fand eine Kundgebung mit ca. 150 KollegInnen statt. Der DGB-Landesvorsitzende Martin Kunzmann erinnerte an Willi Bleicher und seine Mahnung: „Hütet die Einheitsgewerkschaft wie euren Augapfel“ sowie an den Schwur von Buchenwald „Nie wieder Faschismus“. Für Kunzmann gibt es in den Betrieben keinen Platz für Rassismus und Nazibotschaften. Für ihn ist Wegschauen die mieseste Art des Zusehens. Miguel Revilla, Vertrauenskörperleiter von Daimler Untertürkheim, betonte, dass wir klare Kante gegen Rechts zeigen müssen und gemeinsam für eine Welt kämpfen müssen, in der alle Menschen gleich sind und niemand ausgegrenzt wird. Er bedauerte, dass der betroffene Vertrauensmann noch immer nicht so gesund sei und noch nicht die Kraft hätte, heute am Protest teilzunehmen. Nadine Boguslawski, Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart nennt es einen Alptraum, wenn die Welt braun wird, denn „sie ist bunt“. „Wehret den Anfängen“ und „Wer hetzt der fliegt“ waren ihre zentralen Botschaften. Die RednerInnen der antifaschistischen Bündnissen Stuttgart und Rems-Murr-Kreis verwiesen auf die braune Vergangenheit von Hilburger, dem Kopf von Zentrum Automobil, der die Gekündigten unterstützt. Er war in der Rechtsrockband „Noie Werte“ aktiv, deren Musik bei Bekennervideos des NSU verwendet wurden. Sie zeigten die Ähnlichkeit zwischen der Scheingewerkschaft Zentrum Automobil und die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation NSBO auf und betonten die Wichtigkeit des Zurückschlagens des Rechtsrucks im Betrieb und auf der Straße.

Schon während der Kundgebung wurde der Eingang zum Landesarbeitsgericht blockiert, damit die Anhänger von Zentrum Automobil nicht in den Gerichtssaal rein konnten. Es war dann auch ein großer Erfolg, dass alle ca. 50 Plätze im Gericht von Daimler Vertrauensleuten und Betriebsräten sowie AntifaschistInnen besetzt werden konnten. Die anderen blockierten den Zugang für den Kläger und dessen Gefolge von Zentrum Automobil. Die Rechtsextremisten wurden auf dem Bürgersteig zusammengedrängt, geschützt durch Polizei vor den Demonstranten. Für sie gab es Eierwürfe von der Antifa, für die Demonstranten Pfefferspray von der Polizei. Erst mit einer halben Stunde Verspätung begann der Prozess.

Die zur Unterstützung der beiden gekündigten Daimler-Mitarbeiter angekündigte Kundgebung der Rechten in der Nähe des Gerichts fand nicht statt. Das haben sie sich wohl nicht getraut. Sie waren auch weit weniger als die 40 Teilnehmer, die sie für die Kundgebung angemeldet hatten. Der Prozess war eine Niederlage für die Kläger, aber auch für die rechtsextreme Gruppe Zentrum Automobil, die die Kläger unterstützt hat. Sie ist im Betriebsrat von Daimler Untertürkheim mit 6 Mandaten vertreten.

Sowohl das Urteil, als auch die gemeinsame Aktion von Antifa und GewerkschaftlerInnen war ein schöner Erfolg. Es war deutlich spürbar, dass sich die IG Metall-Vertrauensleute sichtlich wohl fühlten, mit der Antifa zusammen die Aktion durchzuführen und sich gegenseitig zu stärken und zu unterstützen. Einige der hauptamtlichen Gewerkschafter hatten da eher Berührungsängste. Trotzdem soll der nächste Prozesstag des 2. Gekündigten am 19. Dezember gemeinsam vorbereitet werden: Antifa, Vertrauensleute und Gewerkschaftsvertreter.

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